Recherche mit KI: Quellen finden, prüfen und korrekt zitieren
KI kann eine Recherche beschleunigen, aber auch Quellen erfinden. Ein Vorgehen in fünf Schritten, mit dem du schneller zu belastbaren Quellen kommst und am Ende sauber zitierst.
Teil 2 von 3 der Serie Start mit KI im Studium
Inhalt
Ein Chatbot antwortet auf fast jede Frage flüssig und mit Quellenangaben. Das Problem: Ein Teil dieser Quellen existiert nicht. Titel, Autorennamen und Jahreszahlen klingen plausibel, aber der Aufsatz wurde nie geschrieben. Wer das in eine Arbeit übernimmt, hat ein Problem, das grösser ist als eine schlechte Note. Dieser Artikel zeigt, wo KI bei der Recherche wirklich hilft und wo du die Kontrolle behalten musst.
Was KI bei der Recherche kann und was nicht
Gut geeignet: ein Thema eingrenzen, Fachbegriffe und Suchbegriffe finden, eine unbekannte Disziplin in einfachen Worten erklären, lange Texte zusammenfassen, die du selbst hochgeladen hast.
Nicht geeignet: als Quelle zitiert werden, Literatur «finden» ohne Prüfung, Zahlen oder Studienergebnisse liefern, die du nicht nachschlägst.
Schritt 1: Das Thema eingrenzen
Die meisten Recherchen scheitern nicht an fehlenden Quellen, sondern an einer zu breiten Frage. Hier hilft ein Gespräch mit der KI, bevor du überhaupt eine Datenbank öffnest.
Ich schreibe eine Seminararbeit im Fach [FACH] mit etwa [ANZAHL] Seiten. Mein grobes Thema ist [THEMA]. Hilf mir, das Thema einzugrenzen: Stell mir nacheinander fünf Fragen, die mir helfen, eine präzise Forschungsfrage zu formulieren. Schlag danach drei mögliche Forschungsfragen vor und sag zu jeder, warum sie für den Umfang passt oder nicht.
Nimm den Vorschlag nicht einfach an. Die beste Forschungsfrage ist die, zu der du eine Vermutung hast und die du mit dem Material deines Kurses beantworten kannst.
Schritt 2: Suchbegriffe entwickeln
Bibliotheksdatenbanken verstehen keine ganzen Sätze. Sie brauchen Begriffe, Synonyme und Verknüpfungen. Das ist eine Übersetzungsaufgabe, und die kann eine KI gut.
Meine Forschungsfrage: [FORSCHUNGSFRAGE]. Erstelle eine Suchstrategie für eine wissenschaftliche Datenbank:
1. Die drei bis vier Kernbegriffe der Frage.
2. Zu jedem Kernbegriff Synonyme und verwandte Fachbegriffe, auf Deutsch und Englisch.
3. Zwei fertige Suchanfragen mit AND und OR, einmal eng und einmal breit.
Erfinde keine Fachbegriffe. Wenn du dir bei einem Begriff nicht sicher bist, markiere ihn mit einem Fragezeichen.

Schritt 3: In den richtigen Systemen suchen
Jetzt verlässt du den Chatbot. Die Suche selbst gehört in Systeme, die echte Bestände durchsuchen:
- Die Bibliothek deiner Hochschule. In der Schweiz ist das meist swisscovery, das gemeinsame Rechercheportal der Hochschulbibliotheken. Dort findest du Bücher, Zeitschriften und E-Books, auf die du mit deinem Login Zugriff hast.
- Google Scholar für einen schnellen Überblick, wer wen zitiert. Achte auf die Anzahl der Zitierungen und das Jahr.
- Fachdatenbanken, die deine Bibliothek lizenziert hat. Welche das sind, steht auf der Website der Bibliothek, oft nach Fachgebiet sortiert.
Verwende hier die Suchanfragen aus Schritt 2 und passe sie an, wenn du zu viele oder zu wenige Treffer bekommst.
Schritt 4: Jede Quelle prüfen
Ob eine Quelle aus der KI, aus Google oder von einer Freundin kommt: Bevor sie in deine Arbeit darf, gehst du diese Liste durch.
- Existiert sie? Titel in der Bibliothek oder in Google Scholar suchen. Kein Treffer bedeutet fast immer: erfunden.
- Wer hat sie geschrieben? Person mit Fachhintergrund, Institution, Verlag oder Zeitschrift mit Begutachtung?
- Wann? Für manche Themen ist eine Quelle von 2015 veraltet, für andere ist ein Klassiker von 1990 Pflicht.
- Steht drin, was behauptet wird? Die Zusammenfassung eines Chatbots kann die Aussage einer Studie verdrehen. Lies mindestens Einleitung und Fazit selbst.
- Passt sie zur Frage? Eine gute Quelle zum falschen Thema ist keine gute Quelle.
Schritt 5: Zitieren und KI-Nutzung deklarieren
Für das Zitieren selbst brauchst du keine KI, sondern den Zitierstil deines Studiengangs und ein Literaturverwaltungsprogramm wie Zotero, das die meisten Hochschulbibliotheken empfehlen und in Kursen erklären.
Was du mit KI aber gut machen kannst: deine eigenen Zitate auf Vollständigkeit prüfen.
Hier ist mein Literaturverzeichnis im Stil [ZITIERSTIL, z.B. APA 7]. Prüfe jeden Eintrag nur auf Form: Fehlen Angaben wie Jahr, Verlag, Seitenzahlen oder DOI? Ist die Reihenfolge der Angaben korrekt? Ändere keine Inhalte und ergänze nichts, was du nicht sicher weisst. Gib mir eine Liste der Einträge mit den formalen Lücken.
Literaturverzeichnis:
[EINFÜGEN]
Und die Deklaration: Wenn deine Hochschule eine Erklärung zur KI-Nutzung verlangt, schreib konkret, wofür du welche Werkzeuge verwendet hast. Zum Beispiel: «ChatGPT wurde für die Eingrenzung des Themas und die Entwicklung von Suchbegriffen genutzt. Alle Quellen wurden selbst recherchiert und gelesen. Der Text wurde ohne KI verfasst.» Das ist ehrlich, kurz und schützt dich.
Der Ablauf auf einen Blick
| Schritt | Werkzeug | Wer entscheidet |
|---|---|---|
| Thema eingrenzen | KI-Gespräch | du |
| Suchbegriffe | KI-Vorschlag | du prüfst die Begriffe |
| Suchen | Bibliothek, Scholar, Datenbanken | System liefert, du wählst aus |
| Prüfen | Checkliste, eigene Lektüre | du |
| Zitieren | Zitierstil, Literaturverwaltung, KI nur für Formcheck | du |
Im dritten Teil der Serie geht es darum, wie du mit diesen Grundlagen die Prüfungsphase planst, mit einem Lernplan, der zu deinem Stundenplan passt.